Die Trainigspause - manchmal Freud, manchmal Leid, für mich heuer das erste Mal purer Genuss :-)

06.10.2017 09:23

Hey,

Die Saisonpause: jeder fabriziert sie anders. Manche lieben sie, manche mögen sie nicht, manche machen sie einfach, weil man es eben macht, und manche trainieren trotzdem ganz normal :-) Zu diesem Thema gibt es ziemlich viele Ansätze und man kann auch nicht sagen, dass eine Variante besonders gut ist. Jeder ist individuell und jeder braucht einen anderen Umfang an Erholung. Manchmal ist es auch gar nicht der Körper, der die Erholung nötig hat, wie ich zb bei mir selber feststelle, sondern der Kopf, der einfach mal nicht mehr Lust hat aufs Rad zu steigen.... Eines der Dinge die wahrscheinlich jetzt alle für crazy halten ist das Essen. Ich höre so oft: "ahh endlich Pause jetzt esse ich alles ungesunde was ich unterm Jahr nicht esse". Ich bin genau umgekehrt. Ich bin sowas von froh, endlich mal Salat zu essen. Also "nur" Salat. Ohne Nudeln, Kartoffeln, Reis, Kichererbsen oder sonstiges nachher. Man isst solche riesen Mengen das ganze Jahr über und trotz allem so oft das gleiche. Für mich ist es das Schönste einfach "nur" mal Salat zu essen :-) Jajaja ich bin anders ich weiß :-) Auch vor Kuchen ekelt es mich regelrecht in der Zeit nach den Rennen. Wahrscheinlich weil ich das ganze Jahr über auf nix verzichte, jetzt fehlt es mir auch nicht. Ich halte nix davon während der Saison auf Sachen zu verzichten. Gut, klar, Alkohol schütt ich mir nicht dauernd rein, aber essenstechnisch betrachtet gibt es bei mir nix was ich unter der Saison vermeide. Dieses zwanghafte Kasteien finde ich bescheuert und hat auch keinen Sinn wenn man alles in Maßen genießt...

Ja also nun die Pause - Ich habe die letzten Jahre ziemlich viele Varianten kennen gelernt und denke ich habe jetzt ein gutes Mittelmaß gefunden ;-) Für jene die es interessiert hab ich meine Erfahrungen ein wenig zu Papier gebracht.... So viel sei gesagt: Es gibt kein "zu lang" - der größte Fehler ist das "zu kurz"

Mein letztes Rennen ist jetzt fast 3 Wochen her und es kommt mir wie eine gefühlte Ewigkeit vor. Danach hab ich noch 1 Woche Training angehängt und war dann heilfroh, in die lang ersehnte Pause zu starten. War ein etwas seltsames Gefühl mal nicht mit Schmerzen oder sonstigem blöden Zeug die Saison zu beenden sondern einfach glücklich auf ein gelungenes Jahr zurückzublicken. Das ist nicht selbstverständlich. Heute vor genau 2 Jahren bin ich beim Roc d´Azur schwer gestürzt, war kurz bewusstlos und landete dann mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus. Es hätte das letzte Rennen der Saison 2015 sein sollen. Ein Jahr später wollte ich das Vorhaben Roc d´Azur erneut umsetzen. Zum einen weil es ein traumhafter Abschluss ist dort und man schon das Gefühl von Ferien vermittelt bekommt. Zum anderen hatte ich mit dem Rennen noch eine Rechnung zu begleichen :-) So weit kam ich dann aber gar nicht. Das ganze 2016 war mehr Schlecht als Recht und den krönenden Abschluss zu der ganzen Misere bildete der Sturz beim La Forestiere Mitte September. 2 gebrochene Lendenwirbel bescherten mir erneut eine verfrühte Zwangspause, die ich 2 Wochen nur liegend verbrachte. Als ich mich endlich wieder bewegen durfte tat mir mehr weh als vorher.

Doch der Reihe nach....

Vor 2014 hatte ich aufgrund mangelnden Wissens und einem sporadischen Rennkalender nie eine richtige Pause eingelegt. Ich hab dann zwar mal weniger trainiert (naja hab generell wenig trainiert :-)) aber das ganze artete dann immer nur in "Gammlerei" aus und ich verbrachte 5 Wochen mit sporadischen Training wo ich heute kaum noch Sinn darin erkenne was ich damit eigentlich bezwecken wollte :-) Resultat daraus: ich war das ganze Jahr auf einem selben Level, der zwar nicht schlecht war, aber auch nicht gerade das was man sich so vorstellt.

Mitte 2014 begann meine Zusammenarbeit mit meinem ehemaligen Trainer und ich lernte was es heißt konsequent jeden einzelnen Tag alles umzusetzen. Ab diesem Zeigpunkt gab es für mich keinen "Schummeltag" mehr. Wenn ich nicht gerade mal krank war, wurde jeden Tag genau das gemacht was vorgegeben war. Genauso hielt es sich mit der Pause. Bis zu einem gewissen Tag wurde trainiert und dann ab Tag X wurde sich nicht mehr bewegt. Das ganze für 2 Wochen, ehe das komplette Programm wieder von vorn begann. Es war eine total neue Erfahrung für mich und jetzt 3 Jahre später kann ich sagen, dass ich persönlich nichts davon halte auf Punkt und Strich genau so und so viele Tage nix zu trainieren. Jeder kann seine Pause fabrizieren wie er das möchte, aber manchmal ist man eben mehr erschöpft und manchmal braucht man vielleicht länger Abstand von allem. Vor allem wenn man während seiner Pause verletzt ist. Der Körper arbeitet auf Hochtouren um sich zu regenerieren und das hat wenig mit der Erholung zu tun die man nach einer langen Saison benötigt.

Durch die Verletzung Ende 2015 war ich die ganze Pause damit beschäftigt mein Schädel-Hirn-Trauma auszukurieren. Nach den 2 Wochen hab ich dann wieder mit meinem Plan begonnen und war "noch immer müde". Das neue Training hatte noch nicht mal ordentlich begonnen und ich war müde. Schlau war das im Nachhinein betrachtet natürlich nicht. Ich hätte mir mehr Zeit nehmen müssen das ganze auszukurieren. Körperlich und vor allem auch mental. Man freut sich so sehr auf diese 2 Wochen. Endlich mal Dinge tun für die man sonst keine Zeit hat. Endlich mal nicht seinen Tag verplanen sondern einfach nur genießen. Das braucht man so unbedingt :-) Doch das hab ich damals alles übersprungen, denn durch die Kopfschmerzen und den Schwindel konnte ich nicht wirklich große Ausflüge machen oder Shoppen fahren. Resultat daraus: Schon Mitte April war meine Motivation im Keller und ich wünschte mir es wäre schon September. Genau so liefen dann auch die Rennen. Wenn der Kopf nicht bei der Sache ist, kann man den Körper quälen wie man will, er hört einfach nicht darauf. Ich war froh als 2016 einfach vorbei war.

Wieder eine andere Art der "Jahrespause" erlebte ich dann 2016. Durch die 2 gebrochenen Lendenwirbel war ich ja ziemlich lange an das Bett bzw an den Liegestuhl draussen gefesselt. Gott sei Dank war das Wetter so fein und ich konnte draussen liegen, sonst wäre ich eh durchgedreht :-) Alles in allem waren es 3 Wochen in denen ich gar nichts machte. Danach war der Beginn auch eher schleppend. Die ersten 3 Wochen sehr dosiert alles. Lockeres Stabi-Training, etwas Rad und ein paar kleine Läufe. Bis ich "richtig" mit dem Training begann war dann schon Anfang November. Also 1,5 Monate nach dem Sturz. Level war natürlich zu Beginn ziemlich Sch***** aber ich war erstaunt wie schnell mein Körper auf alles ansprach. Ich fühlte mich so gut wie noch nie um diese Jahreszeit. Wahrscheinlich weil ich von oben bis unten erholt war und auch mein Kopf frisch war fürs neue Jahr :-)

Den Rest kennt ihr ja alle. Als wäre das die Bestätigung für die ausgiebige Pause, legte ich das Beste Jahr ever hin. Europameisterin, WM 5., Weltranglistenerste, Sieg Alpentourtophy usw.....

Das brachte mich natürlich ein wenig in Versuchung zu grübeln wie ich es denn heuer angehen sollte. Das erste mal seit 3 Jahren ohne Trainer, das erste Mal wieder ganz meine Entscheidung wie und wie lange ich meine "Off Season" gestalten möchte.

Die Roc d´Azur Rechnung musste heuer wieder warten (aber 2018 komm ich bestimmt :-)) Grund dafür ist eine ganz spezielle Frage, die ich in unserem Urlaub nach der WM gestellt bekam :-) :-) Somit war klar, im Oktober werde ich heuer keine Rennen mehr fahren. Der Plan wäre gewesen dass mein letztes Rennen das Gimondi Bike in der letzten Septemberwoche sein würde. Doch die letzten 3 Rennen zehrten aufgrund von Regen, Schlamm, Kälte ziemlich an den Kräften. Auch das Training unter diesen Bedingungen machte nicht mehr allzu viel Spass. Vom Kopf her wollte ich einfach nicht mehr und beschloss das das La Forestiere der Abschluss für heuer sein sollte. Genau das Rennen wo ich mich letztes Jahr verletzt hatte. Zugegeben ein ganz kleines bisschen schwirrte mir das schon im Kopf herum, aber es war so eine tolle Saison und ich wusste das auch beim letzten Rennen alles passen würde. Meine Schutzengel passen auf! Ich konnte einen tollen Sieg feiern und als ich dort über die Ziellinie fuhr war ich einfach nur erleichtert und dankbar. Dankbar, dass ich dieses Jahr keine Verletzung auskurieren muss und das ich meine Zeit genießen kann. Die letzte Woche Trainig verging dann auch wie im Flug und seit knapp 2 Wochen genieß ich die Zeit ohne Räder :-)

Und auch dieses Jahr kommt wieder eine neue Variante zum Einsatz. Das "gar nichts machen" ist nicht mein Ding. Ich fühle mich meist nach 1 Woche schon so unwohl und bekomm überall Verspannungen und hab das Gefühl das ich Herzrasen bekomme. Kann ja auch nicht gut sein von 100 auf 0 zu stoppen und sich nicht mehr zu bewegen. Für den Körper muss das ja ein Totalschock sein.

Die ersten 4-5 Tage hab ich mal nur genossen. Hab ja jetzt eh gerade viel zu tun denn mit den Hochzeitsvorbereitungen geht es in die finale Phase. Ahhh es ist so schön, nach so einer tollen Saison, diesen traumhaften Tag vorzubereiten. Ich bin einfach nur glücklich im Moment und das genieße ich so sehr. Zwischendurch ein kleiner Lauf, eine kleine Bergtour und 2x die Woche lockeres Krafttraining geben mir ein gutes Gefühl. Diese Art von Bewegung kann man ja nicht "Training" nennen. Ich würde es eher "Balsam für die Seele" nennen. Bewusst mal genießen egal wie langsam man unterwegs ist. Es macht mir so viel mehr Spass, als 2 Wochen nix zu machen und dann zu wissen, dass es ab diesem Tag X wieder voll losgeht. Fahrrad ist allerdings wirklich Tabu. Das fass ich mindestens 3 Wochen nicht an. Ehrlich gesagt, hab ich in den letzten 3 Jahren noch nie so wenig ans Bike gedacht wie die letzten 2 Wochen. Die Vorfreude auf "diesen besonderen" Tag lässt alles andere in den Hintergrund rücken.

Also, im Großen und Ganzen kann ich nur sagen: Genießt eure Pause. Gestaltet sie wie ihr selber es für richtig empfindet. Und vor allem lasst euch nicht stressen. Man fühlt selber am Besten wann man wieder bereit ist. Diesen "Zwang" kann man sich ehrlich sparen, er bringt nichts außer Stress.

Also dann, genießt eure Pause, egal wie ihr sie gestaltet :-)

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© 2012 Christina Kollmann